Witold Gombrowicz: Berliner Notizen
Aus dem Polnischen und mit einem Vorwort versehen von Olaf Kühl

Witold Gombrowicz Berliner Notizen Vorwort Olaf Kühl edition foto.TAPETA

edition.fotoTAPETA, Berlin 2013
120 Seiten, gebunden, € 16,80

Erschienen am 24. September 2013

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"Perle in Prosa: Witold Gombrowicz betreibt in den "Berliner Notizen" eine lesenswerte Nabelschau

Schlüssellektüre für Gombrowicz-Einsteiger: Wer einen schnellen Einstieg in das Leben und Denken des polnischen Exilanten sucht, für den sind Gombrowiczs Aufzeichnungen als Ford-Stipendiat im geteilten Berlin eine wahre Fundgrube. Die edition.fotoTAPETA macht die "Berliner Notizen" 50 Jahre nach Witold Gombrowicz Aufenthalt in der heutigen Hauptstadt neu zugänglich. (...)

Schnörkellos hilft Übersetzter Olaf Kühl dabei die Dimensionen dieser Aussagen vollständig zu erschließen. Um die Jugend kreist die Poetologie Gombrowiczs wie um den eigenen Bauchnabel. Mit Verweis auf das Anfang 2013 erstmals in Polen publizierte geheime Tagebuch Gombrowiczs „Kronos“ (Wydawnictwo Literackie) benennt Kühl auch offen Gombrowiczs im literarischen Werk stets durchscheinenden Hang zur Päderastie. Wer sich mit Gombrowicz vertraut machen will, für den lohnt sich die Lektüre der „Berliner Notizen“ alleine wegen der Ausführungen Olaf Kühls.

Gombrowiczs Ironie angesichts der unerhört scheußlich-idyllischen Biedermeier-Atmosphäre der deutschen Nachkriegsgesellschaft ist an Galligkeit nicht zu übertreffen. (...)

Dem jungen, kosmopolitsch ausgerichteten Verlag edition.fotoTAPETA gebührt Dank. Nicht zuletzt für den verlegerischen Spürsinn, diese meisterhafte Stück Prosa der von Gombrowicz so gepriesenen deutschen Jugend wieder schmackhaft zu machen.

(Kai Mühleck im Börsenblatt, Quelle: http://www.boersenblatt.net/659789/)

Hier schwadroniert nur einer. Witold Gombrowicz’ kompromisslos um sich selbst kreisende "Berliner Notizen"

"Olaf Kühl ist der richtige Übersetzer für diesen entrückten und schillernden Text, der sich der freundlichen Zumutung, Literatur diene als Brücke zwischen den Völkern, völlig entzieht. (...) Die Visionen, die er [ Gombrowicz ] an diesem unwirklichen Ort entwickelt, sind wahnhaft und luzide zugleich: Er sieht, dass die "metaphysische Unruhe" keinen Auslauf findet in der Frontstadt des Wirtschaftswunders – und prophezeit, dass sie ihren Ausdruck in neuen "Kombinationen des kollektiven Lebens" suchen wird, "in Formen, die das Individuum übersteigen". Drei Jahre später begann die Studentenbewegung."

(Katharina Döbler am 13. Dezember 2013 in der ZEIT).

"Sterbekunst eines Einzelgängers: Witold Gombrowicz' "Berliner Notizen" (2013)

Als Chronist taugt der polnische Absurde Witold Gombrowicz (1904-1969) wenig. Seine Tagebücher (Kronos) liest man nicht deshalb, weil man durch sie besonders genaue Kenntnisse über die Welt von vor 50 Jahren erhielte. Die Ursachen für diesen Mangel sind persönlicher oder vielleicht sogar intimer Natur. Ihm, Gombrowicz, verdankt die moderne Erzählkunst die Erschließung der Narretei als höchste Erkenntnisform.

Die beschwerliche Schiffspassage ist der erste, spektakuläre Teil seiner Berliner Notizen, die soeben in prachtvoller Übersetzung durch Olaf Kühl neu herausgegeben worden sind. Die Art, in der Gombrowicz denkt, ist herausfordernd. Der Pole ermittelt nicht. Er sammelt keine Beweisstücke, die er vorlegt, etwa um einen anspruchsvollen Gedankengang zu stützen. Gombrowicz, der notorische Einzelgänger, zettelt Aufstände an. 

(Ronald Pohl, DER STANDARD, 1.8.2013)

Gombrowicz-Blätter Heft 2/2013
"An einer zweiten bedeutenden Publikation in diesem Jahr hat der Schriftsteller und Gombrowicz-Übersetzer Olaf Kühl gleich zwei Aktien: der Neuausgabe der 'Berliner Notizen' im Berliner Verlag edition.fotoTAPETA. Nicht nur, dass der Text in seiner Übersetzung wiedererscheint, für diesen Band hat Olaf Kühl darüber hinaus ein brillantes Vorwort geschrieben, das seine Lektüre von 'Kronos' in neue Deutungsversuche einbezieht."

(Rüdiger Fuchs, Schriftsteller und Herausgeber der Gombrowicz-Blätter)

Gombrowiczs Berliner Aufzeichnungen

"Olaf Kühl hat die entsprechenden Passagen von Gombrowiczs literarischem Tagebuch sorgfältig übersetzt und kompetent eingeleitet."

(U.Sm., Neue Zürcher Zeitung, 7.1.2014, S. 41)

Das dämonische Berlin

"Berlin ist für den 1904 geborenen und 1969 gestorbenen Gombrowicz nur ein weiterer Vorwand, über das zu schreiben, was von der ersten Seite des gesamten Tagebuchs an sein Hauptthema ist - er selbst. (...) Diesen Berliner Passagen haftet etwas Resignatives, ja Morbides an. (...) Halt fand er durch die Freundschaft mit Ingeborg Bachmann, seiner Ko-Stipendiatin, bei der Arbeit an seinem Roman 'Kosmos' und mit seinem 'Tagebuch', in dem er manchmal aber auch über die Deutschen reflektierte. Über ihre Metaphysik, ihre Fähigkeiten, das 'Vorwärtsdrängende, Hochhausbauende', wie der Übersetzer Olaf Kühl in seinem Vorwort schreibt, als 'eine Methode' anzusehen, 'um Verletzungen zu verdrängen',  über ihr intellektuelles Potential,, zu dem er keinen Zugang fand"

(Marta Kijowska, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.1.2014).

Klappentext: Das Buch einer Rückkehr. Nach 24 Jahren im argentinischen Exil kehrt er Pole und Weltbürger Gombrowicz 1963 nach Europa zurück und lebt ein Jahr in Berlin: "In dieser Stadt verbindet sich das Winseln, das Heulen eines idiotischen Hundes, eines makabren Hundes mit einem imponierenden Willen zur Normalität." Und über die Deutschen: "... wer weiß, vielleicht wollten sie gar keine Deutschen mehr sein, in die Welt geworfen, von Anfang an beginnend, nach weitesten Horizonten verlangend."

Witold GombrowiczZum Autor: Witold Gombrowicz zählt zu den großen polnischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts, geboren 1904, gestorben 1969 im Exil in Frankreich. Lebte seit 1939 in Argentinien und kehrte erst 1963 nach Europa zurück, zunächst nach Berlin. Werke, u. a. Ferdydurke (1938), Trans-Atlantyk (1953), Pornografia (1960) und nicht zuletzt das Tagebuch 1953 - 1969.


Zum Übersetzer: Olaf Kühl, 1955 geboren, studierte Slawistik, Osteuropäische Geschichte und Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin und ist vor allem als Übersetzer aus dem Polnischen und Russischen bekannt. 2005 wurde er mit dem Karl-Dedecius-Preis für sein polnisch-deutsches Übersetzungswerk ausgezeichnet. Seit 1996 ist er Russlandreferent des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. 2011 erschien Olaf Kühls Debütroman "Tote Tiere". Sein neuer Roman "Der wahre Sohn" wurde für den Deutschen Buchpreis 2013 nominiert.

(Quelle: www.perlentaucher.de, 26.9.2013)