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Dorota Masłowska
Andere Leute (Roman)
Rowohlt Berlin 2019
Pressebesprechungen

"Aus dessen [ Kamils ]  Perspektive wird auch weitgehend erzählt, entsprechend lächerlich müssen die Reime, die oft in Streams of Consciousness eingeebnet sind, zuweilen auch klingen; da kommt einem so manch reaktionär-infantiler, männlicher Rapper unserer Tage in den Sinn. Übersetzer Olaf Kühl hat das in der deutschen Fassung hervorragend gelöst. [...] Im HipHop gibt man anderen Crews und Künstlern „Props“, wenn sie ausreichend „real“ sind; Masłowska und Kühl haben hier eine sehr eigene Erzählweise für die polnische Gegenwart gefunden und überzeugen mit „realness“. Props von dieser Stelle seien ihnen sicher."

(Jens Uthoff, taz, 21.1.2020)

„Denn die 1983 geborene Masłowska („Schneeweiß und Russenrot“, „Die Reiherkönigin“) schreibt über die jeweilige Trübsal und Wut der Warschauer Unter- wie Oberschicht mit so viel originellem, anarchisch-tänzerischem Schwung, dass man gar nicht mitbekommt, wie deprimiert man am Ende über die ökonomische und moralische Haltlosigkeit der Verhältnisse doch eigentlich ist.
Besonders begeistern mich in der Übersetzung von Olaf Kühl die Stellen, in denen plötzlich Mitfahrer in der Straßenbahn oder auch mal die Weinflasche ihre Ansichten zur Lage äußern, einzelne Gedanken sich szenisch surreal verselbstständigen oder zwischenrein ein bisschen gerappt wird. Frech und spielerisch ist dieser Roman, im besten Sinne obenhin und bildet dabei dennoch Wurzeln aus: Die Sehnsucht, dass die Verhältnisse früher mal anders waren, wärmer und verbindlicher, blubbert immer wieder nach oben – „Nachbar, borg mir ein Glas Zucker.“ „Aber bitte, kommen Sie rein.“

(Petra Kohse, Berliner Zeitung, 20.1.2020)

"Als sie 2002 mit 'Schneeweiß und Russenrot' debütierte, sie war gerade erst 18 Jahre alt, wirkte das noch anders: rotzig und gefährlich souverän. Sie wurde als Stimme einer hoffnungslosen Jugend gefeiert (die Einen), als Ende der Literatur verdammt (die Anderen). Ihre von Olaf Kühl damals schon unverwechselbar rhythmisiert ins deutsche Fäkalfach übertragene und mit einem hochliterarischem Sound unterlegte Sprache, ließ aufhorchen. [...] Die Sozialkritik ist also ganz schön billig. Trash. Olaf Kühl liefert die deutsche Sprache dazu, reimt "Möse" auf "Böse", "geschwitzt" auf "gewitzt", verhunzt die Winterreise ("Alt ist er eingestiegen, alt sieht er wieder aus."), holt Stefan George von seinem hohen Ton herunter und versteht es, uns klar zu machen, dass "Andere Leute" nur die Spitze des Zauberbergs ist."

(Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung, 10. Januar 2020)

"Doch alles hat einen Rhythmus, hart, energisch, auf der Kippe zwischen Lust und Frust, ein rüder Lebenshunger, nicht gerade von der freundlichen Sorte - aber er gibt diesem Roman einen Sound, der seine auseinanderdriftenden Teile vorantreibt. [...] Der harte Rhythmus der Sprache wurde von Olaf Kühl bewundernswert ins Deutsche gebracht."

(Meike Fessmann, Der Tagesspiegel, 5. Januar 2020)

„Die Ressentiments beschreibt Masłowska in spöttisch verdichteten Sprachkaskaden. Das klingt dann in der grandiosen Übersetzung von Olaf Kühl so: ‘Ab im Auto. Zur Arbeit. Zur Schule. Zur Woche des Adels im Supermarkt. Treibjagd auf Fasane in der Tiefkühltruhe, Gefrorenes schnappen. Im Angebot sind auch Adelswappen.’ Verschnaufpausen gibt es in diesem konsumgeilen, smogverseuchten Warschau kaum. Nur manchmal leuchtet der große Mond über der Stadt wie ein Hoffnungsschimmer. ‘Nein, falscher Titel,’ grätscht die Erzählerin dazwischen. ‘Es ist das Logo von Lidl.’“

(Tomasz Kurianowicz, DIE ZEIT, 12. Dezember 2019)

„dieses Buch, das macht vor allem die Sprache aus, und es ist, das muss ich gleich vorne wegschicken, wahnsinnig gut übersetzt von Olaf Kühl. Wie Masłowska schreibt, ist wirklich einzigartig. Dieses Buch ist wie ein einziger langer Rap geschrieben, man kommt so richtig in einen Flow. [...] Ich habe es auch immer wieder laut gelesen, um vor allem die Musikalität dieser Sprache so richtig zu verstehen.“

(Julia Riedhammer, rbb Kultur, 9. Dezember 2019)

„Wie der wahnwitzige und rasante 160 Seiten lange Text eines gigantischen Rap-Songs wirkt Dorota Masłowskas Roman „Andere Leute“. Das Ganze hat Rhythmus und Drive, und man kommt aus dem Staunen nicht heraus über soviel Sprachvirtuosität. [...] Der Star in diesem Roman ist eindeutig die Sprache. Es ist faszinierend, welche frechen Sprachkaskaden Autorin Dorota Masłowska und mit ihr natürlich Übersetzer Olaf Kühl (selbst ein erfolgreicher Romanautor) zu Papier bringen. Das macht schlicht Spaß, erfordert aber ein gewisses Maß an Konzentration beim Lesen. 160 Seiten für eine solche Art von Roman sind genau die richtige Länge. Wäre er länger, würde dieser Stil ermüden.“

(Andreas Schröter, schreiblust-leselust.de, 19. November 2019)